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Das war die „Trans*_it. Dialogveranstaltung mit Lesung" am 24.03.2022

„Geschlecht ist wie ein Sternenhimmel, jede*r hat sein eigenes.“

schreibt Karu-Levin Grunwald-Delitz in seinem gerade bei edition assemblage erschienenen Buch „Von Sie. Zu er. Zu Mir. Wege der Transgeschlechtlichkeit“. Diese wunderschöne Metapher skizziert die Inhalte, Diskussionsebenen und Gefühlslagen der am 24.3.22 online durchgeführten Trans*_it. Dialogveranstaltung mit Lesung besonders nachhaltig.

 

K* Stern, Trainer_in für geschlechtliche Vielfalt, moderierte mit Respekt, Witz und Empathie die zweieinhalb stündige Online-Veranstaltung mit Schreib- und Theaterpädagoge* Karu-Levin Grunwald-Delitz und Ilka Christin Weiß, Lehrende und examinierte Pflegekraft. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem Grußwort der Sozialdezernentin Sylvia Bruns.

 

Die beteiligten trans* Aktivist*innen, Fachkräfte und Expert*innen, nahmen das Publikum in einen sehr offenen und persönlichen Dialog darüber mit, wie es sich für sie angefühlt hat, den Weg der Transgeschlechtlichkeit zu gehen in einer heteronormativ geprägten Gesellschaft, von der sie nicht immer freundlich behandelt wurden. Sie berichteten von persönlichen Lebenserfahrungen mit Diskriminierungen im Alltag, im medizinischen und juristischen System im Besonderen und einem gesellschaftlichen Öffnungsprozess, der trans* Personen vielleicht endlich anerkennt und respektiert als das, was sie sind – ein Teil unserer vielfältigen Gesellschaft.

 

Der Dialog machte Unterschiede auch zwischen trans* Personen deutlich: So ist, z.B. für Karu als jüngeren trans* Menschen, die Frage nach guter medizinischer Versorgung eher entscheidend, als sich Gedanken zum Thema „Pflege im Alter oder Altern“ zu machen. Junge trans* Personen sind „froh“ jetzt noch nicht alt zu sein oder zu werden, da sie die Befürchtung haben, dass evtl. jetzt noch viele homo- & trans*feindlichen Menschen im Dienst sein könnten. Demgegenüber zieht gerade die erste Generation von älteren trans* Personen in Senior*innenresidenzen ein. Sie sind eine speziell vulnerable Gruppe, die in einem Klima extremer Homo- und Trans*feindlichkeit aufgewachsen ist (diese Menschen mussten sich dem Transsexuellengesetz in seiner Ausformung von vor 1980 beugen oder sind teilweise noch mit dem § 175 bedroht und/oder verurteilt worden).

 

Und leider gibt es auch gegenwärtig noch keine offiziellen Standards gegen Diskriminierung von Trans*personen in Pflegeeinrichtungen, die die Bewohner*innen schützen und viele Beschäftigte sind zusätzlich nicht ausreichend qualifiziert, auf die Belange und Lebensrealitäten von LSBTIQ* einzugehen.

 

Die Podiumsgäste würden aufgrund ihrer persönlichen Erfahrungen daher folgende Wünsche an verschiedene Fachkräfte und Fachstellen (z. B. Polizei, Pflegekräfte, Arbeitgebende) formulieren:

  • Identität von trans* Personen anerkennen
  • Es gibt nicht nur den einen Weg für das trans* Sein; es ist nicht der binäre Geschlechterwechsel; es gibt wesentlich mehr „Zwischentöne“; niemand sollte fertige „Folien“ auf das trans* Sein projizieren.
  • Ängste & Bedarfe v. trans* Menschen in Pflegeeinrichtungen (die sich wohl auch auf andere Lebensbereiche übertragen lassen):
  • möglichst Willkommenskultur, respektvoller Umgang
  • Schutz vor Beschämungen
  • Identitätskompetenz
  • Diskriminierungsschutz
  • Körperkompetenz (Schamgrenzen respektieren)
  • Pflegende sollten biografisch arbeiten (Wahlfamilien, Partner*innen einbeziehen)

 

Der Kommunalen Seniorenservice Hannover (KSH) im Fachbereich Senioren und die Koordinationsstelle ALBuM der Landeshauptstadt Hannover sowie die Landesfachstelle Trans* des Queeren Netzwerk Niedersachsens (QNN) haben mit freundlicher Unterstützung der Beauftragten für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt der LHH die digitale Veranstaltung organisiert und koordiniert.

 

Empfehlungen und Kontakte:

Karu-Levin Grunwald-Delitz: „Von Sie. Zu er. Zu Mir. Wege der Transgeschlechtlichkeit“, https://www.edition-assemblage.de/buecher/von-sie-zu-er-zu-mir/

https://www.ratundtat-bremen.de/PDF-Archiv/Downloads-Beratung/Queere_Perspektiven_in_der_Pflege_und_im_Alter-web.pdf

https://www.seniorenberatung-hannover.de/aktuelles/leitfaden-umgang-mit-lsbtiq-in-der-altenpflege

https://karu-grunwald.com/

https://www.transnet-ohz.de

https://www.praxis-kstern.de/

 

Anmerkung:

Der Paragraf 175 wurde im Deutschen Kaiserreich 1871 eingeführt und stellte „widernatürliche Unzucht“ zwischen Männern unter Strafe. Eine Verschärfung erfolgte unter dem Nazi-Regime 1935. Erst 1994 beschloss der Bundestag die endgültige Streichung des Paragrafen (verkürzte Zusammenfassung), vgl. www.antidiskriminierungsstelle.de, letzter Zugriff: 19.04.22, 15:26 Uhr).

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